Douglas Greed

Bauhaus- Elektronik mit Tanzvisier, im Pool der Melancholie zwischen Tränen und Freude!


Der Geldbeutel leerende Leidensweg des Musikwahns begann auch bei Douglas Greed, wie bei fast allen musikinfiziösen jungen, langsam geschlechtsreifen Burschen mit dem am Radio festgetackertem Ohr. Dabei die Hand fest am Senderwahlknopf wurde das „"bessere Radioprogramm" der Spätstunden aufgesaugt wie einst Konstantin Wecker das weise Zeugs in seiner Hochschneephase!

Anstatt dann alle überschüssige Energie der Hinwendung zum anderen Geschlecht zu opfern, vollzog er die eigene Entjungferung gleich im 3er mit Breakbeat, Hip-Hop, und Drum & Bass. Die großen Gefühle konnten fortan aber nur durch eigenes Wirken, als nur durch pures konsumieren in den Rausch versetzt werden.
Die Folge: unerbittliches Platten sammeln, auflegen, Hip-Hop Band gründen, Drum & Bass zur Religion erklären dh. eigene Veranstaltungsreihen und Besetzung der Resident- DJ- Kanzel ab 1999 zuerst im renommierten Klub Muna, ab Sommer 2000 im Jenaer Kassablanca und dem Forellenkeller (R.I.P.) in Gera.
Aus der jungen Knospe aus welcher später auch Douglas entspross, den D&B- Behörden als Real gemeldet, wurde ein richtiger Szene-Hengst, dem nun auch die Stuten versaute Briefchen zusteckten. Denn seine Aktivität gekennzeichnet durch Herzlichkeit, Seele, Kommunikation gepaart mit Entertainment- Fähigkeiten, Humor und einer gewissen Abgeklärtheit, ließen nicht nur eingefleischte „Szene -Chefs“ ihm Blumen überreichen.

Doch manchmal wachte er schweißgebadet auf, weil ihm seine Lust am Vierviertel-Rave unruhige Nächte bescherte. Was kann man nur dagegen tun? Richtig – hingehen, abhotten, genießen und selber aktiv werden. Angefeuert durch das musikalische Wirken seines Mitbewohners Robag Wruhme wird die im Kopf aufgestaute Lust am geraden minimalem Sound in das elektronische Handwerkszeug geimpft.
Douglas Greed war geboren – der schizophrene Kumpel vom gebreakten 170bpm Freund Real mit Hang zum linearen Rhythmus. Sein Gewirr im Oberstübchen: Wie bringe ich die Intensität, Schwermut und Melancholie von Radiohead zum Lächeln auf den Floor im Club?

Nachdem er gemeinsam mit seinem Steckdosenspielzeug unzählige Male den Wettlauf mit der Helligkeit am Morgen verliert, entsteht als erste abrechenbare Variabel eine 12“, welche 2005 durch die Hebamme Combination Records, einem der renommiertesten deutschen Freigeist-Label, Luft zum Atmen geschenkt wird. Die zweite Veröffentlichung erblickte im März 06, wieder durch Geburtshelfer Combination den Globus.
Was erwartet den emsigen Genießer im Club? Tanzmusik mit dem Nutzen der Nachdenklichkeit ohne den Mond anzusingen. Gymnasialer minimaler Techno im besten Sinne, der nie die eigene Musik zerdenkt. Hier hat sich jemand Gedanken darüber gemacht, welchen Aggregatzustand elektronische Tanzmusik im Gehirn erreichen muss um der Stumpfheit entgegen zu wirken. Es entsteht ein Siedepunkt der Gefühlszustände von Trauer, Lust und Optimismus mit sorgsam gebremster Schlauheit und enormer emotionaler Energie, umweht mit einem feinsinnigen Gespür für Dramaturgie, Arrangement und Klang. Dies will das Jenaer Label Freude am Tanzen nicht länger ungestraft durchgehen lassen, auch hier wird 2006 Douglas die Hosen auf Vinyl fallen lassen.

Hauptamtlich wird von Herrn Greed in Weimar Mediengestaltung nicht nur durch Immatrikulation betrieben, daraus resultierende Betriebsamkeiten im Bereich Wort, Schrift, Video und Gestaltung sind die logische Folge und werden mit den Club-Affinitäten verbunden.
Was haben wir hier?
Ein musischer Multi-Padawan mit zwei Gehirnen – ein Realer Douglas!
Melancholie ist tanzbar.

Gezeichnet: Oliver Goldt

Freshblood

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